(*1877, Berlin  † 1962, Murnau)

Zur Vita der Namensgeberin des GABRIELE MÜNTER PREISES

Gabriele Münter in Marshall, Texas, USA, 1899–1900. © Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung, München.DIE ANFÄNGE
Gabriele Münter zeigte schon in ihrer Schulzeit ein außerordentliches Zeichentalent. Folgerichtig entschloss sie sich, ihre Begabung an der Düsseldorfer Frauenmalschule zu professionalisieren – die staatlichen Kunstakademien waren Frauen noch verschlossen. Nach einer zweijährigen Amerikareise zog sie – durch das elterliche Erbe finanziell unabhängig – 1901 nach München und wurde an der Malschule »Phalanx« Schülerin des russischen Künstlers Wassily Kandinsky. Er schrieb ihr halb belustigt, halb ernst:  ”Du bist hoffnungslos als Schüler – man kann dir nichts beibringen. (…) Du hast alles von Natur.” 1

1903 kam es zum heimlichen »Verlöbnis«. Der verheiratete Kandinsky konnte allerdings nicht offiziell mit ihr zusammenleben, deshalb gingen die beiden von 1903 bis 1908 auf Reisen. Erst durch die Entdeckung Murnaus und den Kauf des sogenannten „Russenhauses“ fanden sie ein gemeinsames Domizil. Von hier aus initiierten sie kunstgeschichtlich Einmaliges: Die Gründung der Neuen Künstlervereinigung München und des Blauen Reiters.

Gabriele Münter, Dresden 1905, Fotografie: Wassily Kandinsky. © Gabriele Münter- und Johannes Eichner- Stiftung, München.DIE BLAUE REITERIN
Auf ihre Umwelt wirkte sie selbstbewusst, doch sie selbst notierte: „Als wir die Vereinigung gründeten, sträubte ich mich aus Bescheidenheit als Mitgründer zu unterschreiben (…) Ich hielt mich für viel zu wenig (…).“ 2  Gerade Macke und Marc verunsicherten die junge Münter durch boshafte Scherze und Ausgrenzung bei wichtigen Projekten, titulierten sie als „Frauenziefer“ 3. Dabei brachte Münter für die Künstlergruppe „Blauer Reiter“ viel voran: Sie arbeitete an der Konzeption mit, an der Zeitschrift „Almanach“ und organisierte zahlreiche Ausstellungen.

Der Erste Weltkrieg trennte die Freunde: August Macke und Franz Marc zogen als Soldaten in den Krieg und Kandinsky musste aus Deutschland fliehen. Münter wartete in Schweden vergeblich auf ihn. Erst 1920 erfuhr sie über Dritte, dass Kandinsky in Moskau lebte und zum zweiten Mal verheiratet war. 

Gabriele Münter, 1952, Fotografie, Fotografin: Sigrid Bühring. © Schlossmuseum  Murnau, Bildarchiv.NEUANFÄNGE UND VERMÄCHTNIS
Nach dem Krieg kehrte Münter über Berlin nach Deutschland zurück und ließ sich in ihrem Murnauer Haus nieder. Doch hier verschärfte sich ihre Isolation und künstlerische Stagnation. Mitte bis Ende der 20er Jahre lebte sie wiederum in Berlin. Zurück in Murnau inspirierte die Landschaft um den Staffelsee sie zu den für ihr Werk so charakteristischen, farbintensiven Arbeiten.

Die nationalsozialistische Zeit und die Kriegsjahre verbrachte Münter – nun mit einem neuen Lebensgefährten, Johannes Eichner – zurückgezogen in Murnau. Nach dem Krieg erschien Münter nicht in den Listen der mit Berufsverbot belegten Künstler_innen, obwohl man versuchte, ihr den „Bonus“ des nationalsozialistischen Ausstellungsverbots“ zu verleihen 4.

Erst durch ihre unvergleichliche Schenkung – eine einzigartige Sammlung zum Blauen Reiter an das Münchner Lenbachhaus 1957 – und durch die Gründung der Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung 1966, zu der das Murnauer Haus gehört, rückte sie wieder in den Blick einer größeren Öffentlichkeit. Gabriele Münter gehört heute zu den wichtigen Künstler_innen der Klassischen Moderne, ihre Gemälde sind weltweit in großen Sammlungen vertreten.

Bildnachweise:
Gabriele Münter in Marshall, Texas, USA, 1899–1900. © Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung, München.
Gabriele Münter, Dresden 1905, Fotografie: Wassily Kandinsky. © Gabriele Münter- und Johannes Eichner- Stiftung, München.
Gabriele Münter, 1952, Fotografie, Fotografin: Sigrid Bühring. © Schlossmuseum  Murnau, Bildarchiv.